Analyse:
Zykluskontrolle
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Oder die Zurechtregulierung der
nicht leistungsoptimierten Natur

 

 

Der menschliche Körper paßt schlecht zum neoliberalen Menschenbild, zumal er nur schlecht kontrollierbar, ja hin und wieder unzuverlässig und sogar unberechenbar sein kann. Somit stellt er eines der größten Hindernisse für die exponentielle Humankapitalausbeute dar.

Auf der Seite www.femaleaffairs.de wird diesbezüglich subversive Pharma-Lobbyarbeit "von hinten" durchgeführt. Getarnt als eine "Informationsseite" kommt die Plattform daher und propagiert die chemisch-hormonelle Kontrolle des weiblichen Körpers durch die Schulmedizin - zur Erlangung von Kontrolle über das Unkontrollierbare, des Unpraktischen: des weiblichen Körpers. Genannt wird dies ganz harmlos Zykluskontrolle.

 

 

 

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neolib-pfeil72 Sehen, hören und verstehen: Frau Prof. Dr. Dr. Merkle erklärt Ihnen in drei Videos, was Zykluskontrolle ist, wie Sie die Regel verschieben können und welche Vorteile Sie davon haben.

Was versteht man unter Zykluskontrolle?

Zykluskontrolle bedeutet nichts anderes, als den Zeitpunkt und die Häufigkeit der Mentruationsblutungen selbst bestimmen zu können. Möglich machen das hormonelle Verhütungsmethoden wie die Pille oder der Verhütungsring. Sie geben Ihnen genau die Freiheit, die sie sich als moderne und selbstbewußte Frau wünschen. Und diese Freiheit werden sie zu schätzen wissen: Wenn Sie einen Strandurlaub planen, Ihr Freund Sie am Wochenende besucht, oder ein Geschäftstermin im Ausland anliegt. Ohne Regel können Sie diese Momente einfach entspannter genießen.

 

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Die Menstruationsblutungen sollen sich laut "Dr." Merkle ganz einfach dem Terminkalender der Frau anpassen. Hier wird deutlich, was für ein Zivilisations-Naturverstädnis vorliegt: Die Natur soll von der Zivilisation, hier in Form der Verhütung, reguliert und in praktikable Bahnen gedrückt werden. Wenn die totale Kontrolle der Natur erfolgt, heißt das ganz einfach "Freiheit"; "modern" und "selbstbewußt". Man nutzt hier einfach mal den in die Gesellschaft diffundierten Gleichberechtigungsgedanken für die eigene Geschäftemacherei aus.

 

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Wie können Sie auf Ihre Regel verzichten?

[... die] Annahme, daß Frauen ihre monatliche Monatsblutung wünschen. Diese Annahme stammt aus der Zeit, als die ersten hormonellen Verhütungsmethoden entwickelt wurden. Von damals bis heute hat sich aber viel verändert. Frauen sind selbstbewußter, führen ein anderes Leben und haben ganz andere Wünsche. So verzichten Frauen heute gerne auf ihre monatliche Blutung. Vor allem, weil sie aus gesundheitlichen Grünen überhaupt nicht erforderlich ist. Und hier kommt die Zykluskontrolle ins Spiel.
... hat für Sie viele Vorteile: Sie können Ihre Regel auf einen bestimmten Zeitpunkt verschieben. Das bietet sich an, wenn Sie beispielsweise aus beruflichen Gründen häufig vereisen müssen.“

 

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pfeil-antineolib72 Hier wird der Gegensatz zu den "alten hormonellen Verhütungsmethoden" und den "neuen" aufgemacht. den es gar nicht gibt: Das Wirkprinzip ist das selbe geblieben.
Frauen seien heute selbstbewußter als früher (als sie die "alte" Verhütung angewendet hatten - was hat das damit zu tun?) Daher wünschten sie sich nun das Aussetzen des Zyklus.
Aus gesundheitlichen Gründen sei die Monatsblutung nicht nötig. Das ist eine Behauptung wie: Der Bilddarm oder die Manndeln seien nicht verwertbar und man könne sie ganz einfach herausschneiden. Man weiß längst, daß ein solches Herumpfuschen in der Natur nie im Sinne der Gesundheit ist.

 

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neolib-pfeil72 Stressless Sex – die Ergebnisse unserer Studie 2006“

Aus Liebe wird Last, aus Lust wird Frust und aus Sex wird ein Akt. Und warum? Weil die moderne Frau häufig gestresst ist – in der Partnerschaft, beim Sex, von den Kindern. Doch was ist es genau, was sie stresst? Um das herauszufinden, haben die Expertinnen von „female affairs“ die Studie „Stressless Sex“ durchgeführt.

 

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pfeil-antineolib72 Die moderne Frau ist gestreßt. So so. Natürlich liegt es nicht an der schlechten Arbeit, der steilen Hierarchie im Unternehmen, der mangelnden Freizeit oder am Drucksystem, welches den meisten ArbeitnehmerInnen aufgezwungen wird. Nein, daran liegt es nicht - es liegt - oh Wunder - an ihren Mitmenschen!

 

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Fazit: Die Frau sollte laut Pharmalobby ihre sexual-körperlichen Funktionen nach ihrem Terminplan orientieren, ist immer gestreßt, weil das eben so sei in unserer Gesellschaft und habe daher keine Lust auf Sex.
Das sei aber nicht so schlimm, weil die Lust auf Sex ja nur von den Medien "aufgezwungen" sei.

Der hier vorgeschlagene massive hormonelle Eingriff in ein natürliches System wird als praktisch und konsequenzenlos verharmlost. Diese Mentalität offenbart einen naives Fortschrittsglauben, welcher typisch für das Zeitalter das Neoliberalismus sein mag (wobei der Fortschrittsglaube historisch gesehen sicherlich nicht neu ist)

Eigentlich paradox, denn die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang... Wesensveränderungen, Depressionen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verminderte, oder nachhaltig gestörte Libido, Brust- und andere Krebsarten, Erhöhtes Herzinfarktrisiko, erhöhtes Schlaganfallrisiko, Übergewicht, Wassereinlagerungen, Bluthochdruck, Launigkeit, u.v.a.m. Eine verminderte Leistungsfähigkeit kann also die Folge sein - eigentlich schlecht für die Produktivität und vermutlich nicht im Sinne einer neoliberalen Gesellschaft. Aber so weit denkt man wohl nicht - zumindest nicht die Pharmaindustrie, denn ihr geht es ohnehin nur um Umsätze, Gewinnmargen, etc.

 

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