Presse-Analyse
Berichterstattung über Anti-TTIP-Demo in Berlin
Pressespiegel zur Großdemonstration am 09. Oktober 2015


Im folgenden Pressespiegel sind die Stimmen der wichtigen deutschen Zeitungen und Zeitschriften nach der Anti-TTIP-Demo zusammengefaßt.



Medium Titel Datum/Link
Anmerkungen

Spiegel Online

und

Der Spiegel

"Stoppt TTIP"-Demo: Schauermärchen vom rechten Rand"

"Freihandelsabkommen: Zehntausende demonstrieren in Berlin gegen TTIP"

11.10.2015

und der Spiegel:
10.10.15

  • Der Spiegel schrieb am 10. Oktober: „Der geplante Handelspakt zwischen den USA und elf Pazifikstaaten bringt Europa in Zugzwang.“

  • Spiegel-Online: Man veröffentlichte um 11:32 am Tag der Demo einen extrem polemischen Kommentar ("Stoppt TTIP"-Demo: Schauermärchen vom rechten Rand"). Dieser bekam im Forum ganz schnell 870 überwiegend sehr ablehnende Kommentare. Um so zu tun, als sei das alles aber souverän von vorn herein geplant, schiebt Spiegel Online schnell noch bis um 17:59 des selben Tags einen Gegen-Kommentar online: "Debatte über Freihandelsabkommen: Ich bin nicht rechts. Aber gegen TTIP"

  • Am Tag der Demo machte Spiegel Online falsche Zahlenangaben zur Teilnehmerzahl der Demo, ohne nachträgliche Korrektur nach oben:
    "Die Veranstalter rechneten nach eigenen Angaben mit 50.000 bis 100.000 Demonstranten; die Polizei schätzte den Zug bereits zu Beginn auf 45.000 Teilnehmer."


    Fazit: Kampagnen-Journalismus und teilweise ausgewogen. Genau, so wie wir den Spiegel kennen. Am Ende aber für TTIP.
    Wie war das noch mal mit dem 25%-Anteil, den Bertelsmann am Spiegel hält?

Bildzeitung
Bild Online

und

BildPlus
Bild am Sonntag

"110.000 Teilnehmer bei TTIP-Demo erwartet" und

"Darum gehen die Deutschen wieder auf die Straße"

"Massen-Demo gegen TTIP"

12.10.2015
  • Online erst am Folgetag, 11.10 eine kleine Meldung zur Demo am Samstag. Montag kam dann in der Print-Bildzeitung ein winzig-kleiner Artikel zur TTIP-Demo - so unauffällig wie möglich.

  • Bild geht zwar zum Teil auf die Argumente der TTIP-Gegner ein und relativiert die Demonstration am Ende doch wieder: "Demos gehören zum Berliner Alltag inzwischen mindestens wie Ampelmännchen, Brandenburger Tor und Currywurst" ganz so, als sei das alles ein riesen Spaß.

  • Bild am Sonntag behandelte das Thema so: Ein winziger Artikel über die Anti-TTIP-Demo auf Seite 5 und mit 130 Wörtern deutlich kürzer als eine durchschnittliche DPA-Meldung.

  • BildPlus schrieb: "Gerne blenden die TTIP-Gegner dabei aus, dass es eine Menge guter Argumente für das Abkommen gibt [es folgen die vielen "guten Argumente" der Bildzeitung über den "größten Wirtschaftsraum der Welt", die angeblichen Vorteile für "Deutschland als Exportnation", daß Herr Gauck ja auch dafür sei und so weiter und so fort].

    Fazit: In Bezug auf die Textmenge deutliche Überbetonung der Pro-TTIP-Argumente, obwohl es um eine Demonstration gegen TTIP geht.
    Wenig ausgewogen mit der Tendenz, das Thema unter den Teppich kehren zu wollen. Kampagnen-Journalismus für TTIP.

Süddeutsche Zeitung

und

Und SZ Online

"Alle gegen TTIP"

"Gespaltener Protest"

10. und 12.10.2015
  • "Ob sich alle Befürchtungen der Demonstranten bestätigen, weiß niemand. Noch ist das Abkommen nicht fertig. Wenn es nach den Demonstranten in Berlin geht, soll es das auch niemals werden – das wenigstens haben sie am Samstag ziemlich deutlich gemacht."

    Fazit: Beide Artikel recht differenziert und fair, aber skeptischer Unterton gegenüber TTIP-Kritikern.
Heise Online "Anti-TTIP-Großdemo: "Wir wollen keine Wirtschafts-Nato"
11.10.2015
  • Wohlwollender und differenzierter Artikel mit Fokus auf USA-Kritik. Tendenziell ausgewogen. Deutliche Kritik an TTIP auch im Forum unter dem Artikel.

Hamburger Abendblatt

Karikatur auf Seite 2
12.10.15
  • Das Abendblatt druckte eine Karikatur ab, um die Anti-TTIP-Demonstranten als Verwirrte zu diffamieren, die überhaupt nicht wüßten, weshalb sie demonstrierten.
    TTIP Karikatur Hamburger Abendblatt 12.10.2015

    Fazit: Typisch Hamburger Abendblatt: Oberflächlich, unintellektuell, Axel-Springerhaft.
Der Freitag Online "Widerstand ist zweckvoll"

10.10.2015
  • "Die Befürworter des Abkommens haben dazu abenteuerliche Theorien entwickelt.
    "Märchen Nummer eins: Die Bevölkerung sei zu wenig informiert und habe Angst."
    "Märchen Nummer zwei: Die TTIP-Kritiker seien ideologisch verbohrte Freihandelsgegner." [...] "Märchen Nummer drei: Hinter dem Protest stehe eine „Empörungsindustrie“; das behauptet zum Beispiel die Unionsfraktion im Bundestag." [...]
    "Arrogant und intransparent" und "Die EU-Kommission setzt derweil alles daran, die Kritik zu unterdrücken."


    Fazit: TTIP-Kritischer und differenzierter Artikel. In der Analyse nachvollziehbar und angenehm in seiner radikalen Offenheit.

Frankfurter Rundschau

und

Frankfurter Rundschau

"Wir wollen die Demokratie retten"

"Demonstration in Berlin gegen das Freihandelsabkommen TTIP übertrifft alle Erwartungen"

12.10.2015
  • "Demonstration in Berlin gegen das Freihandelsabkommen TTIP übertrifft alle Erwartungen":
    Artikel recht ausgewogen.

  • FR Gastbeitrag FÜR TTIP von der EU-Kommissarin vom 14.10. „Eine neue EU-Handelspolitik“:
    Beschwichtigungsrhetorik: „Die TTIP-Debatte zeigt: Sie [die Europäer] wollen auch sicher sein, dass wirtschaftliche Vorteile nicht auf Kosten unserer Werte und unserer Identität gehen."

    Fazit: Recht ausgewogen, tendenziell wohlwollend. Aber läßt TTIP-Lobbyistin von der EU-Kommission mit Beschwichtigungsrhetorik zu Wort kommen! Die FR war vielleicht mal links.

Die Zeit Online

Die Zeit

"Der Protest nervt die Parteien – zu Unrecht"

08.10.2015
  • Tendenziell kritischer Hintergrundartikel mit positiver Grundtendenz zu Freihandelsabkommen im Allgmeinen: "Falls TTIP ein guter Vertrag werden sollte, dann liegt das also auch an der wachen Bürgergesellschaft, die sich selbst in komplizierte Fragen der Handelspolitik einmischt."
  • Die Zeit schreibt am 08. Oktober: „Sie haben Angst vor TTIP? Falsch gefürchtet. Europas größte Gefahr heißt TTP. […] „Lieber nehmen sie [die Europäer] in Kauf, dass andere Länder an ihnen vorbeiziehen“

    F
    azit: Ambivalent. Tendenzielle Positionierung FÜR TTIP. Rhetorik vom "Globalen Wettbewerb". Zeit-typisch neoliberal.

Frankfurter Allgemeine Zeitung Online

und

Frankfurter allgemeine Sonntagszeitung

"Für oder gegen TTIP?"

10.10.2015
  • FAS: "Die einen hatten die besseren Argumente, die anderen die bessere Kampagne" [...]
    "Ansonsten gab es Plakate mit eingeschränktem Wahrheitsgehalt: „Kein Aushebeln von Umweltstandards“, stand da zu lesen. Als hätten wir nicht gerade im VW-Skandal schmerzlich erfahren, dass die amerikanische Umweltbehörde viel strenger ist."

  • "Nun haben die TTIP-Fans das Problem, dass sie nicht die stark verkürzte Argumentation der Gegner selbst mit stark verkürzten Argumenten widerlegen können. [...] Die Argumente eines Bundeswirtschaftsministers passen nun einmal nicht auf ein Protestplakat".

  • Immerhin die FAZ: "Dieser Wettstreit endet deshalb mit einem klaren Punktsieg für die TTIP-Gegner. Die Befürworter jedoch müssen nachlegen. Sonst haben sie in der Debatte endgültig den Anschluss verloren."

    Fazit: FAZ recht ausgewogen, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS): Polemisch und unsachlich gegen TTIP-Gegner.
Die Tageszeitung "Der Mittelstand verliert"

Und verschiedene Hintergrundberichte
11.10.2015
  • Die TAZ geht auf die möglichen negativen Auswirkungen von TTIP auf die mittelständische Wirtschaft ein. Interview mit einer Vertreterin des Bündnisses "KMU gegen TTIP". Frau Römmelt-Fella beschwert sich u.a. über die Industrie- und Handelskammern aufgrund ihrer einseitigen Positionierung für das TTIP-Abkommen.

    Fazit: Wohlwollend gegenüber der TTIP-Kritik und klare Positionierung. Differenzierte Berichte auch über fragwürdige Vereinigungen, die bei der Demo mitgelaufen sind.
Tiroler Tageszeitung "100.000 demonstrierten in Berlin gegen TTIP"



11.10.2015 Huch, da hat sich die werte "Tiroler Tageszeitung" mal eben um 50.000 bis 150.000 vertan. Kann ja mal passieren [?!]
Kölnische Rundschau "Kommentar: Hysterisch - zu Anti-TTIP-Demos"
12.10.2015
  • "Über 100.000 Gegner des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP gingen am Samstag in Berlin auf die Straße [...] Ähnlich wie diese Bewegungen, entfernt sich auch der Widerstand gegen TTIP immer weiter von einer rationalen Auseinandersetzung."

    Fazit: Sehr negativer Kommentar über die Demo. Deutlicher Versuch, die Teilnehmerzahl so gering wie möglich anzugeben. Versuch, die Gegner des Abkommens als irrational, unsachlich und "hysterisch" zu stigmatisieren.

Wirtschaftswoche Online

und

WirtschaftsWoche

"Was kann den TTIP-Abschluss verhindern?"

„TTOP!“

09.10.15

und WiWo: 09.10.2015
  • Die Wirtschaftswoche denkt über die Durchsetzbarkeit von TTIP nach und benennt Hürden. Gibt Ratschläge für EU und Wirtschaft, wie sie besser vorgehen sollten, um das Abkommen durchzubekommen. Eher ausgewogen, aber eindeutige Positionierung für TTIP: "Inakzeptabel ist nur das scheitern"

  • „TTOP!“ Mammut-Artikel (2800 Wörter):

    „Das geplante Abkommen mit den USA ist umstritten, kompliziert, nervig. Aber es gehört zum Besten, das unserem Land gerade passieren kann“

    Fazit: Klare Positionierung für TTIP. Geradezu euphorische Bewunderung für das Abkommen.

Neues Deutschland "Tango gegen TTIP"
12.10.2015
  • Es wurde die größte seit Jahren. Rund 250 000 Menschen kamen am Sonnabend in die Bundeshauptstadt und forderten: Stopp TTIP und CETA. Für das Bündnis ein überwältigender Erfolg."

    Fazit: Sehr wohlwollend gegenüber den TTIP-Gegnern. Sehr detaillierter Bericht mit guten Hintergrundinformationen.

Welt Online

Welt am Sonntag

"Wo wart Ihr damals, als es gegen TTIP ging?"

"Aufstand der Dickschädel"

"Wie sich Linke und Rechte gegen TTIP verbünden"

10. und 11.10.2015
  • "150.000 Menschen haben in Berlin gegen das EU-Freihandelsabkommen mit den USA protestiert. Das setzt vor allem SPD-Chef Gabriel unter Druck" [...] "Es war die größte Demonstration seit den Protesten gegen den Irak zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts."

  • Aber Stigmatisierung der TTIP-Gegner als ewig Gestrige: "Aufstand der Dickschädel"

  • Stigmatisierung der TTIP-Gegner als Extremisten: "Wie sich Linke und Rechte gegen TTIP verbünden"

  • Angst-Argumentation: "Wovor sich TTIP-Gegner fürchten"

  • Zitate: "Deutscher Mittelstand profitiert." und "den weltweiten Wirtschaftsaustausch modernisieren" und "Kein Abkommen ist von vornherein perfekt." Außerdem kommt es mehrfach zur Nennung der DDR im diffusen Zusammenhang mit TTIP-Gegnern - offenbar um diese indirekt zu diskreditieren.

    Fazit: Die Welt macht Kampagnen-Journalismus bis hin zu reiner TTIP-Propaganda.
    Wie heißt es nochmal in den Grundsätzen der Axel-Springer AG?
    "3. Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika."

    Um Objektivität bemühter Qualitätsjournalismus sieht anders aus.

 


Hier geht es zur Analyse der Pro-TTIP-Werbeanzeige vom
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vom 10. Oktober 2015.
Auch erschienen auf Telepolis.de:

Gabriel-offener-brief-sigmar-gabriel-ttip-250

 

 


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